Everrist online
Nr. 15 (2012)
<< Startseite Inhaltsverzeichnis Everrist Nr. 15
Everrist online >>

Wedeler Erdbeeren fliegen auf Platz 2


– Thomas Oertel –


Eigentlich sollte eine Landefähre einen Astronauten möglichst sanft auf einem fremden Planeten absetzen. Da der Flugweg zum fremden Planeten zwar über eine drei Meter hohe Hürde führte, aber eben lediglich zehn Meter betrug, der Astronaut durch ein rohes Ei ersetzt wurde und der Startort der "Raumfähre" Rostock hieß, ist erkennbar, dass hier die Rede vom Physikwettbewerb "exciting physics" ist, an dem Marieke Leidner und Laureen Lotter aus der 8. Klasse teilnahmen. Das Finale fand Ende September 2011 auf dem Alten Markt in Rostock statt, aber schon während der mündlichen Abiturprüfungen fielen die ersten rohen Eier aus dem von Chemielehrer Thomas Oertel geöffneten Chemieraum im zweiten Stockwerk. Zur Überraschung aller Beteiligten blieben sie ganz, obwohl sie nur durch Pappmaschee-Ballons und zerschnittene Strohhalme geschützt waren. Auch während der nun folgenden Monate, in denen eine Weiterentwicklung der Landefähre und immer wieder Probeflüge stattfanden, wurden nur wenige Eier zerstört. Statt des Fallenlassens aus dem Chemieraum wurde ein Katapult aus Isomatte, Gymnastikband und Papa Leidners Werkbank entwickelt, während Mama Leidner die Probeflüge aufmerksam verfolgte und weitere Ideen einfließen ließ. Zunächst wanderte der Startort in den mit Rasen bewachsenen Vorgarten, wo aber die Styropor-Kugel, die inzwischen die arbeitsaufwendigen Pappmaché-Ballons ersetzt hatte, viel zu weit rollen konnte. Über aufgeklebte Fortsätze, die das Rollen verhindern sollten, entwickelte sich die Landefähre zu einem IKEA-Softball, dem die Füllung genommen wurde. Da auch dieser noch rollen konnte, folgten erste Versuche mit Stofferdbeeren desselben Einrichtungshauses, deren Innenleben mit Draht verstärkt und mit geschnittenen Strohhalmen gefüllt wurde.
Am Morgen des Final-Tages starteten die beiden begleitet von Thomas Oertel in dessen Privatwagen in Richtung Rostock. Dort angekommen, steigerte sich die Nervosität minütlich, da die zahlreiche Konkurrenz teils sehr viel professionellere Apparaturen bereitstellte, teils auch schon mehrfach Teilnehmer gewesen war und zudem sogar eine Gruppe aus Bayern angereist war. Zu bestaunen gab es verschiedene Lösungen von einer kleinen Wippe, auf deren eines Ende ein Medizinball geschleudert wurde, über ein Katapult aus alten Zeigestöcken und einer durch eine Fahrradpumpe auf Hochdruck gebrachten Rakete bis zum Katapult mit Flaschenzug und Motorrad-Stoßdämpfer-Federn. Bei den meisten Gruppen blieben allerdings nicht alle Eier heil, so dass immer der Atem angehalten wurde, wenn eine der teils sehr kreativen Verpackungen geöffnet wurde, wobei ein Riss in der Schale noch in Ordnung war, aber das Eiweiß nicht austreten durfte. Auch bei Laureens erstem Schuss und dem folgenden Aufschlag der Erdbeere sprach aus den Mienen der Zuschauer wenig Zuversicht, doch das Ei war heil. Der Einsatz von Luftpolsterfolie zusätzlich zu den Strohhalmen zahlte sich aus. Beim zweiten Aufschlag waren sich schon mehr Umstehende sicher, dass Marieke ein intaktes Ei auspacken würde und beim letzten der drei geforderten Schüsse förderte sie "natürlich" auch ein heiles Ei zutage: Als erste Gruppe hatten sie keine Verluste! Der Lohn für drei heile Eier war der zwischenzeitliche erste Platz. Allerdings hatte eine der Erdbeeren die ein mal einen Meter große Platte, die den fremden Planeten darstellte, um 1,5 Meter verfehlt. Aber nur die Zehntklässler aus Bayern mit einer semiprofessionellen Elektrokompressor-Druckkammer-Abschusslanze konnten das besser, trafen drei Mal den "Planeten" und konnten jedes Mal "gesunde Astronauten" bergen.
Der Lohn für die Ausdauer und Kreativität der Ristlerinnen waren der zweite Platz und später bei der Siegerehrung zwei Gutscheine für einen Einkauf bei Amazon über jeweils 100 Euro!
Und wer weiß, vielleicht fliegen im Jahr 2012 nicht nur Eier-Astronauten zu fremden Holzplatten-Planeten, denn es wird auch dann wieder fünf weitere herausfordernde Aufgabenstellungen geben, die auf kreative Köpfe warten.



<< Startseite Inhaltsverzeichnis Everrist Nr. 15
Everrist online >>


Alle Rechte der abgedruckten Texte liegen bei den Autoren, sofern nicht andere Quellen angegeben sind. Jeder Autor ist für die in seinem Text geäußerte Meinung selbst verantwortlich. Eine kommerzielle Nutzung oder Weiterverarbeitung der Bilder und Texte auf diesen Seiten ist nur mit schriftlicher Zustimmung der Redaktion zulässig.

(c) Kreis der Ehemaligen und Freunde des Johann-Rist-Gymnasiums Wedel e.V.